Alexander Putz lässt die Bayern-FDP träumen

Landesparteitag in Ergolding: Stehende Ovationen für den designierten OB von Landshut

ERGOLDING (LANDKREIS LANDSHUT) – Hat die FDP hellseherische Fähigkeiten oder grenzenloses Selbstvertrauen – oder beides ? Oder war es am Ende einfach Zufall, dass der Landesparteitag der Liberalen am Wochenende im Bürgersaal Ergolding stattfand  – also vor den Toren Landshuts, das ab Januar als erste kreisfreie Stadt Altbayerns von einem FDP-Politiker regiert werden wird ? Vor dem Hintergrund des fulminanten Stichwahlsiegs von Alexander Putz, der sich vor vier Wochen mit 63 Prozent der Stimmen gegen CSU-Favorit Helmut Radlmeier durchgesetzt hatte, dürften sich die Parteioberen zu ihrer Ortswahl jedenfalls gegenseitig auf die Schultern geklopft haben.

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Alexander Putz genoss sein Beinahe-Heimspiel beim FDP-Landesparteitag im Ergoldinger Bürgersaal in vollen Zügen. Foto: Christine Vinçon

Zumal Triumphator Putz sein Beinahe-Heimspiel in vollen Zügen genoss. „Es ist eine glückliche Choreographie, dass wir unseren Landesparteitag in Ergolding abhalten – und damit in unmittelbarer Nähe von Landshut“, sagte der 53-Jährige und rührte, schon ganz Stadtoberhaupt, sogleich kräftig die Werbetrommel: „Landshut ist nicht nur eine wunderschöne Stadt mit tollen Sehenswürdigkeiten, die es sich zu besichtigen lohnt. Nein, dort leben auch wunderbare Menschen, die dafür gesorgt haben, dass Anfang Januar ein Liberaler ihr neuer Oberbürgermeister wird.“ Eine Wahlentscheidung, die von den FDP-Delegierten natürlich nochmals mit tosendem Beifall belohnt wurde.

Dabei hatte seine Partei selbst Putz vor exakt einem Jahr noch verschmäht: Der gebürtige Niederösterreicher hatte sich damals gegen Amtsinhaber Albert Duin um den Landesvorsitz beworben – und war mit gerade mal 26 Prozent ziemlich deutlich gescheitert. Zwölf Monate später ist der Bauingenieur nun einer der Topstars seiner speziell in Altbayern von Wahlerfolgen wahrlich nicht verwöhnten Partei. Das Wort von Putz hat in der Bayern-FDP Gewicht. Das ließ sich am Samstagnachmittag unschwer am Lärmpegel im Bürgersaal ablesen: Während viele Delegierte bei den Vorrednern so ungeniert miteinander schwätzten, dass sich das Parteitagspräsidium wiederholt zum Einschreiten gezwungen sah, war es beim mit Spannung erwarteten Vortrag des künftigen Landshuter Rathauschefs mucksmäuschenstill im Saal. Seine Parteifreunde hingen Putz förmlich an den Lippen, um nur ja keinen Tipp eines Wahlsiegers zu verpassen.

Putz: FDP ist liberale Kraft der bürgerlichen Mitte

Und der enttäuschte sein Publikum nicht: Rund 20 Minuten lang zeichnete der Bald-OB das Bild einer erfolgreichen FDP in Bayern und im Bund. Sein Erfolg beweise nämlich, dass „wir weit über unseren FDP-Mikrokosmos hinaus Menschen erreichen können“. Natürlich habe eine OB-Wahl ihre eigenen Gesetze, weil die Persönlichkeit der Kandidaten eine besondere Bedeutung besitze. Dennoch solle seine Partei aus diesem Ergebnis „Mut und Zuversicht schöpfen“. Schließlich habe er von etlichen Landshutern gehört, dass sie ihm nicht zuletzt auch wegen seiner Parteizugehörigkeit ihre Stimme geben wollten. „Viele haben zu mir gesagt, dass wir in unserem Land eine liberale politische Kraft brauchen und dass sie die FDP daher stärken wollen.“ Die Stimmung für die Partei sei ungleich besser als noch vor zwei, drei Jahren, als man bekanntlich binnen acht Tagen aus Landtag und Bundestag flog. „Wir dürfen daher wieder selbstbewusst auftreten“, sagte Putz. „Wir zum Beispiel haben in Landshut von Anfang an das Ziel Stichwahl ausgegeben, sind dafür belächelt worden – und haben es letztlich geschafft, auch weil wir fest daran geglaubt haben.“

Inhaltlich forderte Putz seine Partei auf, sich „als liberale Kraft der bürgerlichen Mitte“ zu positionieren. Dort sei nämlich speziell durch den Kurs der CDU momentan eine Menge Platz. Angela Merkel werde von Medien nicht von Ungefähr als „erfolgreichste sozialdemokratische Kanzlerin der Geschichte“ bezeichnet. „Das eröffnet uns neue Räume“, sagte Putz unter dem Beifall der Delegierten.

Dass die FDP auch auf Bundes- und Landesebene großes Potenzial hat, davon ist der künftige Oberbürgermeister also überzeugt. Dementsprechend offensiv formulierte Putz die Ziele für die anstehenden Wahlen. „Ich bin sicher, dass wir viel erreichen können, wenn wir geschlossen bleiben“, sagte er. Dann konnten bald Zeiten kommen, „in denen wir nicht mehr angstvoll auf die Fünf-Prozent-Hürde starren müssen. Ich würde mir wünschen, dass wir zumindest stabil bei acht bis zehn Prozent liegen.“

„Hundertprozentige Wahrheiten gibt es nicht“

Putz nutzte die Bühne aber nicht nur dazu, seine Parteikollegen zu motivieren. Er warb auch intensiv für den von ihm im Wahlkampf gepflegten Politikstil. „Mir ist vielfach vorgehalten worden, dass ich ja gar nicht gewinnen will, weil ich meine Mitbewerber nicht genug angegriffen hätte“, sagte er. Doch auf persönliche Angriffe habe er bewusst verzichtet. „Die ruhige, sachliche Art entspricht meinem Naturell“, so Putz. „Das wurde von den Bürgern sehr geschätzt.“ Wie alle Ingenieure sehe auch er sich als Problemlöser, der von Berufs wegen in Varianten denke. „Und auch für die Politik gilt, dass es keine hundertprozentigen Wahrheiten gibt.“ Deswegen wünsche er sich, dass zum Beispiel bei Anträgen stets sauber das Für und Wider abgewogen werde. Er sei in den seltensten Fällen zu 100 Prozent für oder gegen eine Sache. „Oft fällt man seine Entscheidungen doch mit 60:40. Wenn dem aber so ist, muss man auch vor denen Respekt haben, die in ihrer Abwägung zu einem etwas anderen Resultat kommen.“

Dieser Respekt müsse auch im Umgang mit den Parteikollegen gelten, betonte Putz. Er selbst habe beispielsweise bei der Kandidatur gegen Landeschef Duin vor einem Jahr „sachliche Kritik geübt und einige Dinge angeregt. Manches ist bereits umgesetzt worden.“ Nach der Niederlage habe er Duin dann umgehend gratuliert und ihm die Zusammenarbeit angeboten. Außerdem habe er allen versprochen, weiter für eine erfolgreiche FDP zu kämpfen, sagte Putz. „Und das ist mir, würde ich sagen, auch ziemlich gut gelungen.“

Von Johannes Viertlböck

(Quelle: Landshuter Zeitung vom 21.11.2016, „Stadt und Region“-Teil)