Das gelbe Wunder von Niederbayern

Erster FDP-OB in Bayern seit 32 Jahren nährt Hoffnungen der Liberalen

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Liberale Freude: Der Landshuter Wahlsieger Alexander Putz mit österreichischem Migrationshintergrund (links) und der bayerische FDP-Vorsitzende Albert Duin. (Foto: rm)

Die Goethestraße in München ist eine gute Adresse für Spielsalons, Im- und Export-Geschäfte, Ramschläden und Dönerstände, aber weniger für Parteien. Dennoch hat es hierhin die bayerischen Liberalen verschlagen, die sich ein weitaus teureres Domizil nach dem Rauswurf aus dem Landtag vor drei Jahren nicht mehr leisten konnten. Doch am Montag kehrte wieder Optimismus ein in die nüchterne Parteigeschäftsstelle: Einer der Gelben übernimmt den Chefsessel in der niederbayerischen Bezirkshauptstadt Landshut.

Der neue Landshuter Oberbürgermeister Alexander Putz (53) hat Migrationshintergrund. Geboren ist er in Klosterneuburg bei Wien. Die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt der Bauingenieur seit drei Jahren. Er wollte in Deutschland seine Partei bei Landtags- und Bundestagswahlen wählen dürfen, sagte Putz am Montag bei einer Wahl-Nachlese im Münchner FDP-Hauptquartier.

In der Stichwahl fegte der mit Wiener Charme gesegnete eloquente Geschäftsmann den CSU-Konkurrenten und Landtagsabgeordneten Helmut Radlmeier mit einer solchen Verve aus dem Rennen, dass der gar nicht wusste, wie ihm geschah: 63 Prozent für den FDP-Mann, der Rest für den CSU-Bewerber. Damit endete die 47-jährige CSU-Besetzung des Chefsessels im Landshuter Rathaus. Gleichzeitig wird der erste bayerische FDP-Oberbürgermeister seit 32 Jahren installiert. Der letzte Liberale in diesem Amt, der Fürther OB Kurt Scherzer, ging 1984 in den Ruhestand.

FDP-Landeschef Duin war schon klar, dass die Landshuter am vergangenen Sonntag in erster Linie den sympathischen Ex-Österreicher und nicht das FDP-Mitglied Putz gewählt haben. Aber etwas Honig für die 2013 übel abgestürzte Bayern-FDP wollte er aus dem Triumph des Parteifreunds schon ziehen. Die Landshuter Wahl habe bewiesen, dass die in Bayern scheinbar allmächtige „CSU schlagbar ist“, betonte der FDP-Landesvorsitzende. Und überhaupt sähen alle wichtigen Zahlen für die FDP derzeit gut aus. Die Landshuter Wahl sei zumindest ein „sehr positives Signal“.

Putz hat in Landshut ein schwieriges Erbe anzutreten. Die niederbayerische 70 000-Einwohner-Stadt sitzt auf einem alles in allem 270-Millionen-Euro-Schuldenberg. Im Stadtrat verfügt Putz über sage und schreibe einen einzigen parteipolitischen Mitstreiter. Doch das schreckt den 53-Jährigen nicht. Keiner der ursprünglich drei Mitstreiter hätte über eine Mehrheit im Stadtrat verfügt, sagt Putz. Dagegen hätten ihm viele schon vor der Wahl ihre Unterstützung versichert.

FDP-Landeschef Duin wähnt sich in seinem langen Anlauf auf den Wiedereinzug in den bayerischen Landtag jetzt auf der vierten Stufe, was die Haltung des bayerischen Wahlvolks gegenüber den Liberalen betrifft: „Hass – Häme – Mitleid – Interesse“. (rm)

(Quelle: Landshuter Zeitung vom 25.10.2016, Niederbayernteil)