„Wir haben die Chance beim Schopf gepackt“

Der designierte Oberbürgermeister Alexander Putz (FDP) im LZ-Interview

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18 Stunden nach seinem Triumph in der Stichwahl stellte sich der designierte neue Oberbürgermeister Alexander Putz den Fragen der LZ-Redakteure um Emanuel Socher-Jukić. Foto: hac

LZ: 63 Prozent in der Stichwahl machen Sie, Herr Putz, zum designierten Landshuter Oberbürgermeister. Wie haben Sie diesen Wahltriumph gestern erlebt?

Alexander Putz: Ehrlich gesagt: Ich habe für mich ein Ergebnis um die 60 Prozent erwartet – und ich war mir ganz sicher, dass wir gewinnen werden. Das war einfach im Wahlkampf zu spüren. Die Dramaturgie des Abends war allerdings am Anfang ein bisschen unglücklich, weil ja als erstes ein Wahlbezirk ausgezählt wurde, den mein Mitbewerber mit 58 Prozent gewonnen hatte. Aber dann ging es rasch in meine Richtung, ich konnte den Abend daher früh genießen. Ich hatte deswegen auch viel Zeit zum Nachdenken, an ganz private Sachen. Zum Beispiel daran, welche mir nahestehenden Menschen diesen Tag leider nicht mehr miterleben konnten. Das war ein Grund dafür, dass ich innerlich sehr bewegt war. Nicht zuletzt habe ich auch an Helmut Radlmeier gedacht: Was muss das für ein bitterer Abend für ihn gewesen sein. Als er mir zum Wahlsieg gratuliert hat, habe auch ich ihm das Beste gewünscht und hoffe nun auf eine gute Zusammenarbeit mit ihm. Denn er ist und bleibt als Landtagsabgeordneter sehr wichtig für unsere Stadt.

Befürchten Sie, dass nach Ihrem Wahlerfolg neue „Unterstützer“ kommen werden, die sich vor allem Vorteile von ihrer Nähe zum künftigen OB erwarten ?

Nein, davor habe ich keine Angst. Es ist klar, dass der Erfolg nun besonders viele Väter hat – das kann ich sehr gut einschätzen. Und es gehört zu diesem Amt, das es Schulterklopfer mit sich bringt. Ich werde mich aber nicht vereinnahmen lassen, sondern ein offenes Ohr für alle Bürger haben. Cicero hat ja Kandidaten Folgendes geraten: „Versprich jedem alles, aber werde nie konkret.“ Daran habe ich mich schon im Wahlkampf nicht gehalten, sonder bin stets bei meinen Themen geblieben. Das wird sich nicht ändern.

Sie haben eben Cicero zitiert. Als OB werden Sie nicht nur die Leitlinien der Stadtpolitik vorgeben, sondern auch oberster Dienstherr von Tausenden Mitarbeitern sein. Was halten Sie in diesem Zusammenhang von Macchiavelli und seiner Weisheit: „Es ist besser, gefürchtet als geliebt zu werden“ ?

Damit kann ich gar nichts anfangen. Auch als Chef muss mich keiner fürchten. Ich möchte die Menschen mitnehmen und sie von meiner Meinung überzeugen. Deswegen werde ich noch vor meiner Amtsübernahme viele Gespräche führen, und zwar nicht nur mit den Spitzen der Verwaltung. Das tue ich übrigens bereits seit Monaten.

Ihr Amt werden Sie erst im Januar antreten. Werden Sie sich bis dahin schon in die Entscheidungen einbringen – beispielsweise in die anstehenden Haushaltsberatungen ?

Natürlich werde ich an der Stadtpolitik Anteil nehmen und die kommenden Wochen nützen, um mich bestmöglich auf die neuen Aufgaben vorzubereiten. Oberbürgermeister Hans Rampf hat mir gestern seine volle Unterstützung bei der Amtsübergabe zugesagt: Er wird mich einführen und mich auch der Verwaltung vorstellen. Die Mitarbeiter gehen ebenfalls sehr offen auf mich zu, zum Beispiel der Hausmeister. Er hat mir schon eine Führung durchs Rathaus angeboten. Die werde ich brauchen, denn mein Orientierungssinn ist leider nicht der Beste (lacht).

Was hat Sie in den vergangenen Wahlkampfwochen in der Stadt am meisten überrascht ?

Die äußerst positive Aufnahme, die ich als Person bei den Bürgern gefunden habe. Das hat mich wahnsinnig gefreut. Zum Beispiel, dass viele Leute, die ihr Leben lang nie FDP gewählt haben oder die sogar CSU-Mitglieder sind, sich ganz offen zu mir bekannt haben.

Angesichts des schwachen Abschneidens des CSU-Kandidaten war gestern oft von einer Protestwahl gegen Helmut Radlmeier die Rede. Trifft das wirklich zu ?

Mag sein, dass das bei manchen eine Rolle gespielt hat. Es sind aber ganz sicher viele Faktoren zusammengekommen, dass dieser Erfolg möglich wurde. Man muss als Kandidat auf jeden Fall auch selbst ein überzeugendes Konzept haben. Wir haben die sich bietende Chance dann am Schopf gepackt.

Sie führen ein großes Ingenieurbüro. Das wird als OB nicht mehr möglich sein. Haben Sie die Nachfolge in Ihrem Unternehmen schon geklärt ?

Nicht in jedem Detail, weil es dafür mehrere denkbare Modelle gibt. Intern laufen die Gespräche. Klar ist: Ich werde meine Unternehmensbeteiligung zum Jahresende abgeben. Und meine Gefühlslage ist so, dieses Kapitel ganz zu beenden. Sonst hänge ich emotional weiter zu sehr daran. Dass ich mein Unternehmen weiter interessiert verfolgen werde, ist aber ebenso klar. Denn das ist ein wichtiger Teil meines Lebenswerks.

Der Schritt, das eigene Unternehmen zu verlassen, wäre mit einem hohen persönlichen Risiko verbunden. Schließlich könnte es sein, dass Sie nicht wiedergewählt werden…

Ja, das ist korrekt. Aber erstens bin ich ein optimistischer Mensch und glaube daran, dass ich in meinem Amt die Bürger überzeugen werde. Zweitens: Sollte ich in dreieinhalb Jahren tatsächlich nicht wiedergewählt werden, würde ich bestimmt wieder eine gute Anstellung finden – sei es als Ingenieur oder in einem anderen Bereich. Und drittens: Wenn man nur die finanzielle Seite betrachtet, war schon die OB-Kandidatur ein gewisses Risiko. Als Unternehmer habe ich nämlich deutlich mehr verdient, als ich es künftig als Oberbürgermeister tun werde.

Im Wahlkampf haben Sie versprochen, dass Sie sich bereits 2020 zur Wiederwahl stellen und damit auf zweieinhalb Jahre Ihrer Amtsperiode verzichten werden. Dazu ist aber die Zustimmung des Stadtrats nötig. Wann wollen Sie den entsprechenden Antrag stellen ?

Gesetzlich ist dafür eine bestimmte Frist vor der nächsten Stadtratswahl 2020 vorgesehen. Den exakten Zeitraum weiß ich offen gestanden nicht aus dem Stegreif, aber es müsste im Herbst 2019 sein. Ich werde den entsprechenden Antrag definitiv fristgerecht stellen und gehe dann auch fest davon aus, dass der Stadtrat meinem Anliegen zustimmen wird. Alles andere wäre schräg. Dann würde man mich ja dazu zwingen, ein Versprechen, das ich den Bürgern gegeben habe, nicht einzuhalten.

Sie haben mit dem Slogan „Landshut kann es besser“ geworben. Was wollen Sie nach Ihrer Amtsübernahme konkret ändern ?

Zu den Themen Verkehr, Wohnen und engere Zusammenarbeit mit dem Landkreis ist durch die schwache Wahlbeteiligung in den vergangenen Wochen ein weiterer Schwerpunkt gekommen: Transparenz und Kommunikation. Es besteht über die Parteigrenzen hinweg Einigkeit, dass wir da Verbesserungsbedarf haben. Also sollten wir gemeinsam konkrete Ideen ausarbeiten – etwa für eine bessere Homepage der Stadt oder dafür, wie man Stadtratssitzungen über die (neuen) Medien zugänglicher machen kann.

Einer Ihrer Themenschwerpunkte ist der Straßenringschluss um Landshut. Dazu gehört eine durch den Landkreis verlängerte Westtangente. Sie streben dazu einen neuen Bürgerentscheid an. Wann ist damit zu rechnen ?

Einen genauen Zeitpunkt kann ich heute natürlich noch nicht nennen. Wir müssen erst einmal eine gemeinsame Lösung mit dem Landkreis ausarbeiten. Positive Signale dafür gibt es bereits. Wenn alles geklärt ist, wäre für mich die Zeit für den neuen Bürgerentscheid reif. Persönlich hätte ich das sehr gerne noch in meinem ersten Amtsjahr. Und ich wünsche mir, dass dann alle, die jetzt im Wahlkampf für die Westtangente eingetreten sind, mit mir aktiv bei den Bürgern um Zustimmung werben. Wir müssen den Menschen erklären, warum wir diese Straße brauchen und was wir genau wollen. Dann bin ich zuversichtlich, dass wir eine breite Mehrheit überzeugen können.

Sie gelten auch als entschiedener Befürworter des Weiterbaus der B 15 neu. Wie wollen Sie dieses in der Verantwortung des Bundes liegende Vorhaben vorantreiben ?

Wir dürfen als Stadt in Sachen B 15 neu nicht nur Beobachterstatus einnehmen, sondern müssen ordentlich Druck machen. Es darf beispielsweise auf keinen Fall bis 2030 dauern, ehe die Ost-Süd-Umfahrung fertig ist. Sonst erstickt unsere Stadt im Verkehr. Notfalls müssen wir für unsere Anliegen auch die Bürger stärker mobilisieren.

Die von Ihnen angesprochene Westtangente wäre nicht das einzige Großprojekt der Stadt in den kommenden Jahren. Ob Stadttheater, Stadtmuseum oder Eisstadion – die Wunschliste ist lang. Aber die finanziellen Spielräume werden wohl nicht reichen. Welches dieser Vorhaben würden Sie im Ernstfall opfern ?

Das würde ich lieber etwas anders formulieren: Anpacken müssen wir auf jeden Fall den Ausbau der Schulkapazitäten. Momentan ist es nämlich so, dass wir keine großen neuen Baugebiete ausweisen können, weil die vorhandenen Schulen gar nicht ausreichen. Daher hat die Umsetzung des Schulentwicklungsplans für mich oberste Priorität. Danach müssen wir einfach schauen, wie die Haushaltszahlen aussehen. Natürlich wollen wir alles verwirklichen, was wir uns wünschen. Aber insbesondere die Zeitpläne müssen beachtet werden. Noch einmal: Für mich haben die Schulen und die Ausweisung von neuem Bauland Vorrang.

Breiten Raum nahm im Wahlkampf das Thema Wohnen ein. Wie wollen Sie dafür sorgen, dass die Miet- und Immobilienpreise für den Normalbürger erschwinglich bleiben oder es wieder werden ?

Es wäre unredlich, den Menschen zu versprechen, dass die Mieten und Kaufpreise in den nächsten Jahren sinken werden. Unser Ziel muss es sein, einen weiteren Anstieg möglichst zu vermeiden. Das wird nur über die Ausweisung von neuem Bauland funktionieren. Auch über Nachverdichtungen müssen wir reden. Außerdem möchte ich mich als OB mit den Wohnungsbaugenossenschaften zusammensetzen. Ich will wissen, wie die Stadt sie konkret unterstützen kann. Es ist mir klar, dass mich in der Stichwahl viele Bürger, die im ersten Wahlgang für die Kandidaten der SPD und der Grünen gestimmt haben, gewählt haben – und dass die meisten von ihnen eine städtische Wohnungsbaugesellschaft wollen. Ich möchte ihnen beweisen, dass es ohne eine solche städtische Gesellschaft geht.

Das Gespräch führten Emanuel Socher-Jukić, Uli Karg und Johannes Viertlböck.

(Quelle: Landshuter Zeitung vom 25.10.2016, Stadtteil Landshut)